Vor einiger Zeit durfte ich ein Personalgespräch eines Kunden begleiten. Es gab Unstimmigkeiten zwischen dem Geschäftsführer und seinem Vertriebsleiter, der in den Augen der Geschäftsführung seinen Job nicht machte. Schon nach wenigen Minuten hatte ich die Vermutung, dass hier Erwartungen unklar waren. Beide beteuerten indes, dass die Erwartungen durchaus klar seien. Der Geschäftsführer sagte: „Ich möchte, dass der Kollege Vertrieb macht.“ Der Vertriebsleiter nickte, das sehe er genauso. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Geschäftsführer unter ‚Vertrieb‘ Neukunden-Aqkuise verstand. Der Kollege solle bitte Montag bis Donnerstag ‚auf der Straße‘ sein und am Freitag die erhaltenen Aufträge verarbeiten und natürlich die neue Woche planen. Der Vertriebsleiter verstand unter ‚Vertrieb‘ dagegen, Bestandskundenpflege! Mit der Begründung „ein neuer Kunde ist 5 Mal teurer als ein Bestandskunde“ machte er sich auf zu Kaffeepläuschchen und holte in 6 Monaten nicht einen Euro Umsatz. Wir waren uns schließlich einig: eine Stellenbezeichnung gab es – klare Erwartungen aber gab es nicht. Und wo Erwartungen nicht klar formuliert werden, führt das sehr schnell zu Enttäuschung auf beiden Seiten.

 

Führung bedeutet Klarheit – Verbindlichkeit – Konfliktbereitschaft

Führungsfehler #1: Fehlende Klarheit

Bekommen wir nur vage Aussagen, definieren wir Begriffe oder Termine nicht, führt das zu Ungewissheit. Das geschieht auch dann, wenn wir ein Ziel zwar kennen, aber nicht wissen, wie wir es erreichen können. Wir wissen nicht, was dafür zu tun ist und was beispielsweise ein wichtiger erster Schritt wäre. Und das führt zunächst einmal zu Unsicherheit. Ich möchte wissen, was genau mein Gegenüber von mir erwartet. Wo die Reise in seinen Augen hingehen soll. Und ob ich in der Lage bin, diese Erwartung zu erfüllen. Habe ich diese klaren Vorgaben nicht, dann mache ich entweder irgendwas – in der Hoffnung, dass es passt – oder ich sitze aus, in der Hoffnung, dass mein Vorgesetzter die Aufgabe vergisst. In jedem Fall führt Ungewissheit und Unsicherheit auf Dauer zu Verwirrung und zu Unzufriedenheit.

So vermeidest Du diesen Führungsfehler:

Mach Dir im Vorfeld bewusst, was genau Du willst. Wie das Ergebnis konkret aussehen soll, das Du erwartest. Und dann triff klare Aussagen über Deine Erwartungen und lege präzise, messbare Ziele fest. Achte dabei darauf, Deine Erwartungen verständlich und nachvollziehbar zu formulieren, und hol Dir Feedback ein um sicherzustellen, dass Dein Gegenüber Dich so verstanden hat, wie Du es beabsichtigst. Dann weiß jeder, was zu tun ist und das wirkt sich positiv auf Stimmung und Ergebnis aus.

Führungsfehler #2: Fehlende Verbindlichkeit

Vorgesetzte erwarten von ihrem Team Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit. Sie erwarten, dass sie sich auf gemachte Zusagen und getroffene Vereinbarungen verlassen können. Ich selbst gehe auch so vor. Haben wir etwas vereinbart, und hat ein Mitglied meines Teams das zugesagt, erwarte ich, dass er das Ergebnis zum vereinbarten Termin liefert – alternativ nachfragt, wenn es Unklarheiten gibt. Soweit so gut. Leider fehlt im Gegenzug manchen Vorgesetzten genau diese Verbindlichkeit, die sie von ihrem Team erwarten. Da werden Zusagen vage gegeben oder mit Ausdrücken wie „schauen wir mal“ gleich gänzlich umgangen. Da werden Mails nicht bearbeitet und Mitarbeiter, die Entscheidungen brauchen um in einem Projekt weiterzukommen, werden blockiert. Und manchmal werden auch Erklärungen bis Ausreden formuliert, warum man eine Zusage nicht eingehalten hat. Also genau das, was uns bei unseren Mitarbeitern verärgert.

So vermeidest Du diesen Führungsfehler:

An dieser Stelle hilft schlichtweg nur eines: Eine Führungskraft muss zu ihren Aussagen stehen, Ergebnisse liefern und sich an ihren Aussagen, Taten und Erfolgen messen lassen. Das erfordert Klarheit und Struktur in der Planung und Konsequenz in der Umsetzung. Aber nichts anderes erwarten wir ja auch von unserem Team. Und damit kommen wir einmal mehr zu dem Grundsatz ‚Führen bedeutet Vorleben‘. Damit wird vieles leichter.

Führungsfehler #3: Fehlende Konfliktbereitschaft!

Wo Menschen miteinander arbeiten, da menschelt es. Meinungsverschiedenheiten können dabei durchaus vorkommen und sind auch nichts per se Schlechtes. Manchmal aber kann es sein, dass zu viel Konflikte ein Team aufreiben. Das Energie verschwendet wird auf Nebenkriegsschauplätze. Und dass die Produktivität genauso wie die Freude am Arbeitsplatz leiden. Konfliktfähigkeit ist dabei der erste Schritt. Ich muss zunächst einmal erkennen, dass es Konflikte gibt und ob diese Konflikte zwischen Einzelnen oder ganzen Teams entstanden sind. Konfliktfähigkeit reicht aber nicht. Weit wichtiger ist meine Konfliktbereitschaft, also die Erlaubnis und der Wunsch, dass Konflikte nicht unter die Decke gekehrt sondern ans Tageslicht geholt werden. Dass sie analysiert, besprochen und beigelegt werden. Doch gerade diese Konfliktbereitschaft fehlt häufig. Wir bemühen Floskeln wie „können wir bitte mal sachlich bleiben“ oder „Ihr müsst ja nur zusammen arbeiten nicht zusammen in Urlaub fahren“. Was hier passiert, ist vergleichbar mit einem Topf kochender Milch: Uns stört die kochende Milch und damit wir sie nicht sehen müssen, machen wir den Deckel drauf. Dass das nicht gutgehen kann, leuchtet ein. Irgendwann kocht das Ganze über und hinterlässt hässliche Flecken. Der entstandene Schaden ist dann meist groß. Denn wie eingangs erwähnt, sind es ja Menschen, die hier zusammenarbeiten. Und da menschelt es. Und Menschen sind häufig nachtragend…

So vermeidest Du diesen Führungsfehler:

Konflikte müssen gelöst werden – zeitnah und fair. Dafür braucht es einen geschützten Raum und die Möglichkeit, dass jeder seine Meinung frei äußern darf. Im ersten Schritt geht es tatsächlich nicht um eine Lösung, sondern darum, dass jeder seine Gefühle und Sorgen äußern kann und ernst genommen wird. Würdigst Du das Problem nicht, wird es schwer, einen Konsens herbeizuführen.


Wenn man einen Menschen richtig beurteilen will, so frage man sich immer:

„Möchtest Du den zum Vorgesetzten haben?

Kurt Tucholsky


Ein gutes Beispiel für Dein Team zu sein, ist eines der mächtigsten Führungsinstrumente, die Dir zur Verfügung stehen. Aus Statistiken wissen wir, dass die meisten Menschen nicht ihrem Unternehmen kündigen sondern ihrem direkten Vorgesetzten. Vermeidest Du diese drei Fehler, unterscheidest Du Dich bereits von vielen anderen.

 

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